Das Weinwissen von Weinkontor Sommer

Wie Japan zum Weinland wurde

Von regionalen Überlieferungen über die Meiji-Zeit bis zu den Weingütern von heute.

Redaktion: Weinkontor Sommer

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02 · Weinbau in Japan

Wie Japan zum Weinland wurde

Die Meiji-Zeit: lernen, erproben, aufbauen

Der Aufbau einer modernen Weinindustrie fällt in die Meiji-Zeit. Für die frühe Weinbereitung durch Yamada Hironori und Takuma Norihisa in Kōfu nennt eine aktuelle Veröffentlichung der Präfektur Yamanashi 1874. Sie korrigiert die ältere Datierung auf 1870/71 anhand historischer Zeitungs- und Archivbelege. Das Jahr 1877 steht dagegen für die Gründung einer privaten Weingesellschaft und ihren systematischen Wissenstransfer aus Frankreich.

Nach der Meiji-Restauration förderte die Regierung neue Industrien und die Einführung ausländischer Kenntnisse. In diesem Umfeld entstand 1877 in Katsunuma die Dai-Nihon Yamanashi Budōshu Kaisha, die als erste private japanische Weingesellschaft gilt. Sie schickte Takano Masanari und Tsuchiya Ryūken nach Frankreich, um Traubenanbau und Weinbereitung zu erlernen. Nach ihrer Rückkehr begann 1879 die Produktion. Doch technische Schwierigkeiten und ein noch wenig entwickelter Absatzmarkt belasteten das Unternehmen; 1886 wurde es aufgelöst. Miyazaki Kōtarō und Tsuchiya setzten die Arbeit mit übernommenen Anlagen fort.

Die weitere Entwicklung war deshalb keine geradlinige Erfolgsgeschichte eines einzelnen Hauses. In Katsunuma wuchs ein Geflecht aus Traubenbauern, Kellereien und Händlern. Die Familienchronik von Marufuji, bekannt für Rubaiyat, macht diese Verbindungen anschaulich: Ōmura Chūbei gehörte 1877 zu den Geldgebern der Gesellschaft; sein Sohn Jisaku begann 1882 mit der Weinbereitung und erhielt 1890 die offizielle Herstellungslizenz. Solche unterschiedlichen Daten erklären, weshalb ein Weingut zwischen familiären Wurzeln, Produktionsbeginn und formeller Gründung unterscheiden kann.

Auch die Gebäude erzählen von technischem Lernen. Lumières unterirdische Gärbehälter entstanden 1901 unter Anleitung von Kamiya Denbei. Ihr säurebeständiger Granit und die Anlage im Hang gehören zu einer Zeit vor den heute vertrauten Edelstahltanks. Im Jahr 1903 wurde in Ushiku wiederum eine große Kellerei fertiggestellt, deren Produktionsabläufe Traubenanbau, Vinifikation, Lagerung und Abfüllung miteinander verbanden.

Parallel fanden gesüßte und aromatisierte Weinprodukte einen Markt. Die Kulturbehörde beschreibt sie als einen wichtigen Teil der damaligen Konsumgeschichte. Diese historische Entwicklung sollte man von der heutigen Herkunftsdefinition Japan Wine trennen. Die Begriffe einer späteren Kennzeichnungsordnung lassen sich nicht unverändert auf sämtliche Produkte des 19. Jahrhunderts übertragen.

Im Keller von Lumière in Yamanashi.
Im Keller von Lumière in Yamanashi.

Neue Technik, ein neuer Blick auf Herkunft

Die spätere Entwicklung lässt sich an konkreten Veränderungen verfolgen. Marufuji dokumentiert etwa die Anschaffung französischer Traubenverarbeitungsgeräte 1966 und eines Kühlkellers 1973. Solche Investitionen zeigen, dass Weinqualität auch eine Geschichte der Verarbeitung und Lagerung ist. Sie hängt nicht allein davon ab, welche Sorte auf dem Etikett steht.

Château Mercian beschreibt für die Zeit ab 1970 systematische Untersuchungen zur Verbindung von Standort und Rebsorte. Dazu gehören Merlot in Kikyōgahara und Chardonnay in Hokushin. Diese Versuche ergänzen die Geschichte der japanischen Züchtungen um eine weitere Perspektive: Internationale Sorten können durch die Auswahl geeigneter Lagen und Anbaumethoden einen Platz in Japan finden.

Für Kōshū wurde der Ausbau sur lie, also auf der Hefe, zu einem wichtigen Schritt. Die offizielle Yamanashi-Chronik nennt 1984 als Jahr der ersten Veröffentlichung eines so erzeugten Weins und beschreibt den Wandel hin zu trockenen, zum Essen passenden Stilen. Mercian führte die Methode nach eigener Dokumentation 1983 in der Herstellung ein; 1984 folgte die Vermarktung. Die beiden Jahreszahlen benennen unterschiedliche Schritte und widersprechen einander daher nicht.

Später erweiterten Schalenkontakt und die Erforschung der eigenen Aromatik das Ausdrucksspektrum. Mercians Chronik nennt den Kōshū Gris de Gris von 2003 als Beispiel für einen Wein mit stärkerem Einfluss der Beerenschalen. Die Zusammenarbeit mit dem Forschungsteam um Denis Dubourdieu in Bordeaux trug zur Entwicklung des zitrusbetonten Kiiroka bei. Es ging darum, vorhandene Eigenschaften der Traube besser zu verstehen und durch die Weinbereitung sichtbar zu machen.

Internationale Sichtbarkeit erhielt auch eine formale Grundlage: Kōshū wurde 2010, Muscat Bailey A 2013 in die internationale Rebsortenliste der OIV aufgenommen. Die Aufnahme betrifft die Identifikation der Sorten; sie ist keine Auszeichnung für eine einzelne Flasche.

Die wichtigsten Stationen

  1. 1874Frühe Weinbereitung in Kōfu; revidierte Datierung der Präfektur Yamanashi.
  2. 1877Gründung der Dai-Nihon Yamanashi Budōshu Kaisha; Takano und Tsuchiya reisen nach Frankreich.
  3. 1879 / 1886Produktionsbeginn nach der Rückkehr; später Auflösung der Gesellschaft und Fortführung durch Nachfolger.
  4. 1890Gründung Iwanoharas durch Kawakami Zenbei.
  5. 1901 / 1903Lumières steinerne Gäranlage; Fertigstellung der Kellerei in Ushiku.
  6. 1927Kreuzung von Bailey und Muscat Hamburg: Muscat Bailey A.
  7. 1983 / 1984Sur-lie-Verfahren für Kōshū bei Mercian; anschließend Veröffentlichung des Weins.
  8. 2010 / 2013Aufnahme von Kōshū beziehungsweise Muscat Bailey A in die OIV-Sortenliste.
  9. 2013Anerkennung der Wein-GI Yamanashi.
  10. 2015 / 2018Veröffentlichung der nationalen Kennzeichnungsregeln; Anwendung ab 30. Oktober 2018.
Quellen & Weiterlesen · japanische Originalquellen