Das Weinwissen von Weinkontor Sommer

Herkunft verstehen

Was bedeutet „Japan Wine“ auf dem Etikett? Herkunft, Trauben und geschützte Bezeichnungen verständlich erklärt.

Redaktion: Weinkontor Sommer

Zur Übersicht

01 · Weinbau in Japan

Herkunft verstehen

Japanischer Wein beginnt mit einer einfachen Frage: Wo sind die Trauben gewachsen? Im japanischen Kennzeichnungsrecht bezeichnet 日本ワイン – Japan Wine einen in Japan hergestellten Wein, dessen Fruchtrohstoff ausschließlich aus in Japan geernteten Weintrauben besteht. Die Definition schließt Wein aus, bei dem Wasser als Rohstoff verwendet wurde. Entscheidend sind damit sowohl die Traubenherkunft als auch der Herstellungsort. Eine japanische Marke oder die Adresse einer Kellerei allein beantworten die Herkunftsfrage noch nicht.

Der weitere Begriff 国内製造ワイン – im Inland hergestellter Wein umfasst dagegen auch Erzeugnisse, für die importierter Wein oder ausländische Rohstoffe verwendet werden. Zu dieser Obergruppe gehört ebenfalls Japan Wine. Die beiden Begriffe beschreiben also unterschiedliche Ebenen: Jede Flasche Japan Wine gehört zur japanischen Inlandsproduktion, aber die Inlandsproduktion besteht nicht ausschließlich aus Japan Wine. Diese Unterscheidung war ein wesentlicher Anlass für die verbindlichen Kennzeichnungsregeln.

Die nationale Steuerbehörde NTA veröffentlichte die Regeln am 30. Oktober 2015; anwendbar wurden sie nach einer Übergangszeit ab dem 30. Oktober 2018. Die Bezeichnung ist eine Herkunftsaussage. Sie schreibt keine einzelne Rebsorte und keine Geschmacksrichtung vor: Auch ein in Japan gewachsener und dort vinifizierter Chardonnay oder Merlot kann Japan Wine sein. Ebenso wenig bedeutet der Begriff „sämtliche Zutaten aus Japan“, „ohne Zusatzstoffe“ oder eine bestimmte Qualitätsstufe. Für die Auswahl einer Flasche folgen auf die Herkunft deshalb weitere Fragen: Welche Region, welche Traube und welche Art des Ausbaus prägen den Wein?

Geografische Angaben: Herkunft wird genauer

Die Herkunftsdefinition Japan Wine bildet eine nationale Grundlage. Eine geschützte geografische Angabe, GI, stellt zusätzliche Anforderungen für eine bestimmte Herkunft. Für Wein wurde Yamanashi am 16. Juli 2013 als GI anerkannt. Die NTA führt später unter anderem Hokkaidō mit dem Datum 28. Juni 2018 sowie Nagano, Yamagata und Osaka mit dem Datum 30. Juni 2021 auf. Diese Daten beschreiben die Anerkennung der jeweiligen Wein-GI, nicht den Beginn des Weinbaus in diesen Gebieten.

Die Produktionsregeln von GI Yamanashi verlangen unter anderem Trauben aus der Präfektur, zugelassene Rebsorten und die Herstellung in Yamanashi. Hinzu kommen analytische und produktionstechnische Vorgaben. Eine GI liefert somit genauere Informationen als eine bloße Betriebsadresse. Sie beschreibt einen geregelten Zusammenhang zwischen Wein und Herkunft.

Beim Entdecken japanischer Weine lohnt es sich, diese Ebenen gemeinsam zu lesen: Japan Wine beantwortet die nationale Herkunftsfrage; Region und gegebenenfalls GI präzisieren sie. Rebsorte, Jahrgang und Ausbau führen anschließend zur einzelnen Flasche. Die Geschichte dahinter ist keine abgeschlossene Vergangenheit. Sie hilft zu verstehen, weshalb Kōshū, Muscat Bailey A und ein japanischer Merlot unterschiedliche, gleichberechtigte Wege derselben Weinkultur darstellen.

Quellen & Weiterlesen · japanische Originalquellen