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Rebsorten mit eigener Geschichte

Koshu, Muscat Bailey A und weitere Sorten. Was Herkunft, Züchtung und Anpassung unterscheidet.

Redaktion: Weinkontor Sommer

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04 · Weinbau in Japan

Rebsorten mit eigener Geschichte

„Japanische Rebsorte“ kann eine traditionelle Kultursorte oder eine moderne, in Japan gezüchtete Kreuzung meinen. „Autochthon“ beschreibt deshalb nicht alle Sorten treffend. Auch internationale Rebsorten haben ihren Platz im japanischen Weinbau.

Kōshū: alte Kulturpflanze, komplexe Abstammung

Die Kōshū-Traube ist älter als Japans moderne Weinwirtschaft. Yamanashi verbindet ihre Anfänge mit zwei Erzählungen: dem Mönch Gyōki im Jahr 718 und Amemiya Kageyu im Jahr 1186. Die Präfektur bezeichnet beide ausdrücklich als Legenden. Sie gehören zum kulturellen Gedächtnis der Region, liefern aber keine gesicherten Ankunftsdaten der Rebsorte.

Untersuchungen des japanischen National Research Institute of Brewing zeigen überwiegend Verwandtschaft mit Vitis vinifera und einen Beitrag ostasiatischer Wildreben. Die untersuchte Chloroplasten-DNA stimmt nahezu mit einer Linie der südchinesischen Vitis davidii überein. Als einfachstes Erklärungsmodell schlagen die Forschenden eine Kreuzung von Vitis vinifera mit einer ostasiatischen Wildrebe und eine anschließende Rückkreuzung mit Vitis vinifera vor.

Kōshū ist somit eine traditionelle, eng mit Yamanashi verbundene japanische Kultursorte mit komplexer Abstammung. „Einheimisch“ bedeutet hier nicht, dass alle Vorfahren japanische Wildreben waren. Ebenso wenig ist sie genetisch unvermischt europäisch. Die asiatische Vorgeschichte und der genaue Weg nach Japan bleiben von einer lückenlosen historischen Reisechronologie zu unterscheiden. Die DNA liefert kein gesichertes Ankunftsjahr.

Für das Verständnis im Glas ist dieser lange Anpassungsprozess interessant: Eine regionale Weinkultur kann aus Austausch entstehen und dennoch einen unverwechselbaren eigenen Charakter entwickeln.

Kawakami Zenbei und die gezielte Züchtung von Muscat Bailey A

Eine zweite große Entwicklungslinie führt nach Niigata. Dort gründete Kawakami Zenbei 1890 Iwanohara. Nach der Darstellung des Weinguts verband er den Weinbau mit dem Wunsch, seiner von Schnee und schwierigen Ernten geprägten Heimat neue wirtschaftliche Möglichkeiten zu erschließen. Importierte Reben allein lösten die örtlichen Probleme nicht. Ab 1922 widmete er sich deshalb gezielt der Züchtung von Sorten, die besser zu den Bedingungen vor Ort passten.

Muscat Bailey A entstand 1927 aus Bailey als Mutter und Muscat Hamburg als Vater. Bailey ist bereits eine amerikanisch geprägte Kreuzungssorte; Muscat Hamburg gehört zu Vitis vinifera. Muscat Bailey A ist somit eine in Japan gezüchtete, interspezifisch geprägte Sorte. Sie ist kein über Jahrhunderte unverändert überliefertes Wildgewächs. Das Wort „japanisch“ bezeichnet hier einen gut dokumentierten Entstehungsort und eine züchterische Leistung.

Iwanohara beschreibt die Sorte als vergleichsweise krankheitsfest und ertragreich. Kawakami gab Jungpflanzen an andere Weinbaubetriebe weiter; seine Arbeit wirkte dadurch über das eigene Gut hinaus. Auch Black Queen gehört zu den von ihm geschaffenen Sorten. Hinter diesen Namen steht dieselbe praktische Frage, die den japanischen Weinbau bis heute verständlich macht: Welche Rebe kann an einem bestimmten Ort zuverlässig gesunde Trauben hervorbringen? Die Antwort kann eine alte regionale Sorte, eine gezielte Kreuzung oder eine passend kultivierte internationale Sorte sein.

Von Wildreben bis zu internationalen Sorten

Andere Namen stehen für gezielte Kreuzungen. Muscat Bailey A und Black Queen stammen aus der Züchtungsarbeit am Weingut Iwanohara; beide besitzen Bailey als Mutter, aber unterschiedliche Väter. Yama Sauvignon entstand aus japanischer Yama-budō und Cabernet Sauvignon. Yamasachi wiederum hat Kiyomi und Yama-budō als Eltern. Die Ähnlichkeit der Namen darf diese Abstammungen nicht verwischen.

Internationale Sorten ergänzen dieses Spektrum. Château Mercian nennt für Jyonohira in Yamanashi unter anderem Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc. Die Forschung in Hokkaidō dokumentiert Pinot Noir und beschreibt auch Anbauversuche beziehungsweise Anbauinitiativen mit Chardonnay, Sauvignon Blanc und Merlot. Solche Beispiele beantworten die Frage, was an bestimmten Orten kultiviert wird. Einen einheitlichen „japanischen Geschmack“ dieser Sorten belegen sie nicht.

Ein Wegweiser zu den Rebsorten
SorteGesicherter AnhaltspunktPraktische Lesart
KoshuGraurosa Beeren, vergleichsweise dickere Schale, kräftiger Wuchs.Erziehung und Umgang mit den Schalen genau ansehen.
Muscat Bailey ABailey × Muscat Hamburg (1927); Iwanohara beschreibt sie als krankheitsrobust und ertragreich.Eigenständige Sorte; Robustheit bedeutet keine Immunität.
Black QueenBailey × Golden Queen; Kreuzung von 1927.Iwanohara beschreibt dicke, dunkle Schalen und markante Säure.
Yama SauvignonYama-budō × Cabernet Sauvignon.Eigenständige Kreuzung; nicht mit Yamasachi verwechseln.
YamasachiKiyomi × Yama-budō.Züchtung aus Ikeda im Kontext winterlicher Anbaugrenzen.
Pinot NoirNARO nennt Krankheitsanfälligkeit bei heißfeuchten Bedingungen.Standorteignung und Pflanzengesundheit bleiben zentrale Fragen.
Quellen & Weiterlesen · japanische Originalquellen